CHEMIEXTRA_LOGO_16

Offizielles Organ des Schweizerischen Chemie- und Pharmaberufe Verbandes

Basel erhält Auszeichnung

(16.01.2020) Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) ehrt das Schaffen des Schweizer Arztes, Alchemisten und Naturphilosophen Paracelsus mit dem Chemical Landmark 2020.


2018_Paracelsusbueste_Danie

Büste des Paracelsus im Pharmaziemuseum der Universität Basel. Bild: Daniel Spehr



Mit diesem Preis zeichnet die SCNAT Stätten in der Schweiz aus, die in der Geschichte der Chemie eine wichtige Rolle gespielt oder an denen bedeutende Chemikerinnen und Chemiker gewirkt haben. Paracelsus wurde 1527 Stadtarzt von Basel. Im Haus «Zum Vorderen Sessel» am Totengässlein 3, wo sich heute das Pharmaziemuseum der Universität Basel befindet, wirkte er. Eine Gedenktafel soll nun an den berühmten wie streitbaren Medicus erinnern.


Paracelsus, mit bürgerlichem Namen Theophrastus Bombast von Hohenheim, war in Basel auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Dank seiner Stellung konnte er seine medizinischen Thesen öffentlich vortragen – und die hatten es in sich. Er lehnte ab, dass Ärzte die über Jahrhunderte tradierte Lehrmeinung eines Hippokrates, Galen oder Avicenna ungeprüft übernahmen, ohne sie an der Realität zu messen. Er kritisierte den Glauben an die Säftelehre, nach der die Mischung von schwarzer Galle, Schleim, gelber Galle und Blut im Körper für die Gesundheit beziehungsweise die Entstehung von Krankheiten verantwortlich ist. «Nicht meinen, sondern wissen!», forderte er. Statt theoretisches Gelehrtenwissen nachzubeten, solle sich ein Arzt an praktischen Erfahrungen und Experimenten orientieren. Paracelsus war einer der Ersten, die naturwissenschaftliches Verständnis als essenziell für eine erfolgreiche Medizin erachteten.


Sein Verständnis der im Körper ablaufenden Prozesse macht Paracelsus zu einem Wegbereiter der heutigen Biochemie und Toxikologie. Er stellte sich zum Beispiel einen «inneren Alchemisten» vor, der Nährstoffe von Giften trennt und dafür sorgt, dass Erstere aufgenommen und Letztere ausgeschieden werden. Das Prinzip, Reines von Unreinem zu trennen, propagierte er auch für die Herstellung von Medikamenten: Die Ausgangssubstanz wird in ihre reinen Bestandteile zerlegt, um sie durch chemische Verbindung neu zusammenzufügen. Seine wohl bekannteste Erkenntnis «Was ist, das nicht Gift ist? Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist» stellt eine zentrale Säule der modernen Toxikologie dar. Darauf basieren das Konzept der Toxizität und sogenannte Dosis-Wirkungs-Beziehungen. Diese beschreiben, wie die Menge (Dosis) eines Arzneimittels und dessen Wirkung zusammenhängen.


Vom 17. bis 22. November 2020 organisieren die Universität Basel und das Pharmaziemuseum eine Paracelsus-Woche mit öffentlichen Führungen, Workshops und einer alchemistischen Vorlesung.


Medienmitteilung SCNAT (gekürzt)


www.naturwissenschaften.ch



Zurück