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Offizielles Organ des Schweizerischen Chemie- und Pharmaberufe Verbandes

Der Klimawandel und die chemische Industrie

(07.04.2020) Forschende der ETH überprüften, ob die Chemieindustrie CO2-neutral produzieren kann.


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Nun kommt auch eine Forschungsgruppe der ETH zum Schluss, dass eine CO2-neutrale Chemieindustrie theoretisch möglich sei. Bild: Shutterstock



Bis 2050 soll unsere Gesellschaft CO2-neutral werden. Dies hat der Bundesrat für die Schweiz beschlossen. Nicht gerade leicht wird diese Umstellung für die chemische Industrie. Denn während sich viele andere Industriezweige vor allem mit ihrer Energieeffizienz beschäftigen müssen, kommt für die chemische Industrie noch die Frage nach den Rohstoffen dazu.


Die wichtigsten Schlussfolgerungen der neuen Studie: Auch für die chemische Industrie ist das Netto-Null-Ziel theoretisch durchführbar. Alle untersuchten Ansätze, das Ziel zu erreichen, haben jedoch neben Vorteilen auch Nachteile, die in unterschiedlichen Weltregionen unterschiedlich zum Tragen kommen. Und alle diese Ansätze benötigen mehr Energie (in Form von Strom) als heutige Produktionsweisen.


Drei Ansätze werden diskutiert
– Ein Ansatz sieht vor, weiterhin fossile Rohstoffe zu nutzen, CO2-Emissionen jedoch konsequent abzuscheiden und im Untergrund zu speichern (Carbon Capture and Storage, CCS). Allerdings braucht es dazu geologisch geeignete Speicherstätten, zum Beispiel tiefe Sedimentschichten, die Salzwasser enthalten. Nicht überall auf der Welt sind solche vorhanden.

– In einem anderen Ansatz würde die Industrie künftig Kohlenstoff aus CO2 nutzen, das zuvor aus der Luft oder aus Industrieabgasen abgeschieden wurde (Carbon Capture and Utilisation, CCU). Der für die chemischen Produkte benötigte Wasserstoff würde mit Elektrizität aus Wasser gewonnen. Die Produktionsprozesse würden damit stark verändert, grosse Teile der Industrieinfrastruktur müssten neu gebaut werden. Ausserdem benötigt dieser Ansatz viel Strom – sechs- bis zehnmal mehr als die CCS-Variante.

– Schliesslich wäre es auch möglich, Biomasse als Rohstoff für die chemische Industrie zu nutzen. Dieser Ansatz braucht weniger Strom als die anderen, allerdings wird im Vergleich zu den anderen Ansätzen 40- bis 240-mal mehr Land benötigt.


News ETH (gekürzt)


www.ethz.ch


Literaturhinweis

Gabrielli P, Gazzani M, Mazzotti M: The Role of Carbon Capture and Utilization, Carbon Capture and Storage, and Biomass to Enable a Net-Zero-CO2 Emissions Chemical Industry. Industrial and Engineering Chemistry Research, 4. März 2020, doi: 10.1021/acs.iecr.9b06579


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