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Deutsche Chemie braucht neue Innovationskultur

(08.05.2018) 30. CHEMonitor-Trendstudie untersucht Innovationsprozesse in der deutschen Chemieindustrie


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In der deutschen Chemieindustrie dominieren Innovationsprozesse des vergangenen Jahrhunderts. Nur eine Minderheit der Unternehmen zeigt sich offen für Innovationskooperationen ausserhalb der traditionellen Wertschöpfungskette, wie etwa die Zusammenarbeit mit Firmen anderer Branchen oder Start-ups. Auch moderne Innovationsformen wie Crowd-Innovation werden eher skeptisch gesehen. Das sind die Ergebnisse der aktuellen CHEMonitor-Trendstudie des Beratungsspezialisten Camelot Management Consultants in Kooperation mit der Fachzeitung CHEManager.

Die aktuelle 30. CHEMonitor-Ausgabe beschäftigte sich mit dem Schwerpunktthema «Open Innovation», also der Öffnung der Innovationsprozesse nach aussen. Befragt nach Innovationsprozessen mit hoher Bedeutung für das eigene Unternehmen nannten 80 Prozent der teilnehmenden Chemiemanager die Zusammenarbeit mit Kunden, gefolgt von der Zusammenarbeit mit Lieferanten (49 %) beziehungsweise Hochschulen und Forschungseinrichtungen (49 %).

«Agilität und Innovation sind für Chemieunternehmen das Lebenselixier des 21. Jahrhunderts. Die chemische Industrie setzt aber noch überwiegend auf Innovationsprozesse des 20. Jahrhunderts», kommentiert Josef Packowski, Managing Partner bei Camelot, die Ergebnisse, und fügt hinzu: «Um mit der steigenden Innovationskraft in der internationalen Chemie Schritt zu halten, bedarf es offenerer, vernetzterer Innovationsprozesse.» Der Zusammenarbeit mit Firmen anderer Branchen (33 %) oder Start-ups (29 %) messen jedoch vergleichsweise wenig Unternehmen eine hohe Bedeutung zu. Noch geringer ist der Anteil der Manager, die auf moderne Innovationsansätze wie Technologie-Scouts oder Crowd Innovation (13 %) setzen.

Open Innovation: Chance für den Mittelstand

In Sachen Open Innovation zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Grossunternehmen und dem Chemiemittelstand. Während bereits drei Viertel der grossen Unternehmen Open Innovation (76 %) praktizieren, nutzt nur ein Viertel der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitenden offene Innovationsansätze oder plant dies (23 bzw. 4 %).

«Beim Thema Open Innovation zeigt sich der Chemiemittelstand deutlich zurückhaltend. Dabei bietet sich gerade für ihn die Chance, einen flexiblen und interdisziplinären Zugang zu Innovationsvorteilen zu schaffen und gleichzeitig Risiken zu begrenzen», kommentiert Sven Mandewirth, Partner und Chemieexperte bei Camelot, die Umfrageergebnisse.

Sinkende Zufriedenheit mit dem Chemiestandort Deutschland

Wie immer wurde das CHEMonitor-Panel auch zu seiner Zufriedenheit mit dem Standort Deutschland befragt. Zwar rechneten bei der aktuellen Umfrage 88 Prozent der befragten Manager mit steigenden Umsätzen für 2018, doch gleichzeitig sank der Anteil derer, die den Standort Deutschland mit «gut» oder «sehr gut» bewerten, zum dritten Mal in Folge von 90 Prozent im Mai 2016 auf aktuell 65 Prozent. Besonders unzufrieden sind die Chemiemanager mit den Energiekosten. Die Zufriedenheit mit dem rechtlichen und politischen Umfeld sank mit 34 Prozentpunkten am deutlichsten.

Die Ergebnisse des aktuellen 30. CHEMonitor-Trendbarometer stehen zum kostenlosen Download unter

www.camelot-mc.com zur Verfügung.




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