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Offizielles Organ des Schweizerischen Chemie- und Pharmaberufe Verbandes

Forschende fordern Umdenken bei Tierversuchen

(18.06.2020) Auf Initiative der Universität Bern hin veröffentlichte eine Expertengruppe neue Vorgehensweisen bei Tierversuchen.


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Gerade eine starke biologische Variation und nicht die starre Standardisierung würde die Reproduzierbarkeit der Tierversuchsergebnisse erhöhen, sind sich die Forschenden sicher. Bild: Adpic



Tierversuche werden meist unter hochstandardisierten Laborbedingungen durchgeführt. Durch Standardisierung soll die Reproduzierbarkeit der Versuchsergebnisse verbessert werden; in der Realität ist die Reproduzierbarkeit allerdings erstaunlich schlecht. Die Forschenden kamen nach einer Durchsicht der bestehenden Forschung zum Schluss, dass es in der Versuchsplanung einen Paradigmenwechsel braucht. Ihre Überlegungen präsentierten sie in der Zeitschrift «Nature Reviews Neuroscience».


Um robustere Versuchsergebnisse zu erzielen, schlagen die Forschenden aus verschiedenen Fachgebieten vor, absichtlich biologische Variation im Versuchsdesign einzuplanen. Eine «Heterogenisierung», das gezielte Einplanen biologischer Variation im Versuchsdesign von Tierversuchen, würde den Geltungsbereich der Ergebnisse erweitern und damit die Reproduzierbarkeit verbessern.


Forschende haben vielfältige Möglichkeiten, um biologische Variation einzuplanen, zum Beispiel durch Verwendung mehrerer Zuchtlinien oder Altersgruppen, oder verschiedener Haltungsbedingungen. Alternativ können Versuche in mehreren Teilversuchen oder als Multilaborversuche durchgeführt werden.


Die Expertinnen und Experten sind überzeugt, dass durch Einplanung biologischer Variation ins Versuchsdesign weniger Versuche und damit weniger Versuchstiere gebraucht würden, um belastbare Ergebnisse zu erzielen. Selbst wenn für einzelne Versuche mehr Tiere verwendet würden, werde damit der Gesamtverbrauch an Tieren abnehmen, betonen die Autorinnen und Autoren.


Der Workshop wurde vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und von der Abteilung Tierschutz der Universität Bern unterstützt.


Medienmitteilung Universität Bern (gekürzt)


www.unibe.ch




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