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Gemeinsam stark gegen Erreger

(06.12.2018) Wenn ein Krankheitserreger in eine Kolonie von Ameisen gelangt, verändern die Insekten ihr Verhalten so, dass der Ausbruch der Krankheit möglichst vermieden wird.


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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler markierten insgesamt Tausende von Ameisen, um alle Interaktionen zwischen den Insekten zu bestimmen und zu verstehen, wie sich Kolonien vor Krankheiten schützen können (Bild © Timothée Brütsch)



Diese epidemiologisch bedeutsame Beobachtung hat ein Forscherteam in Lausanne gemacht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um den Lausanner Evolutionsbiologen Prof. Laurent Keller haben für ihre Studie das Verhalten von 2266 Gartenameisen beobachtet. Sie rüsteten alle Insekten mit einer Art Barcode aus und stellten anschliessend jede halbe Sekunde die Position und Orientierung jedes Tieres mit einer Infrarotkamera fest. Auf diese Weise konnten die Forscher alle Interaktionen zwischen den Ameisen feststellen und nachvollziehen, wie die Ameisenkolonie reagierte, nachdem ein Krankheitserreger in ihre Gemeinschaft eingedrungen war. Dabei stellte sich heraus: Die Ameisen verändern ihr Verhalten so, dass die Königin, die für die Fortpflanzung der Ameisenkolonie verantwortlich ist, aber auch die jungen Arbeiterinnen, die sich um die Brut kümmern, vor einer Ansteckung möglichst geschützt werden.


Pilzsporen als Erreger erkannt
Erstautorin Nathalie Stroeymeyt und ihre Kolleginnen und Kollegen setzten für ihre Studie zehn Prozent der Arbeiterameisen Pilzsporen aus. Arbeiterameisen sind jene Gruppe, die ausserhalb des Nests Nahrung sammelt und daher nicht direkt mit Königin und Brut in Kontakt kommt. Nachdem die Kolonie mit dem Erreger in Kontakt gekommen war, änderten die Ameisen ihr Verhalten: Sie verringerten den direkten Kontakt zwischen verschiedenen Untergruppen – und verminderten so die Übertragung der Pilzsporen. Warum die Insekten zu dieser Anpassung der sozialen Organisation fähig sind, erklärt Laurent Keller wie folgt: „Die Ameisen haben im Verlauf der Evolution offenbar gelernt, dass die Pilzsporen gefährliche Erreger sind.“


Von den Ameisen lernen
Die Lausanner Forscher haben die jüngst in der Fachzeitschrift 'Science' veröffentlichte Studie gemeinsam mit dem Institute of Science and Technology Austria (Klosterneuburg/Niederösterreich) durchgeführt. Nach Auskunft von Laurent Keller ist es die erste Untersuchung überhaupt, die zeigt, dass eine Tiergesellschaft in der Lage ist, ihre Organisation aktiv zu verändern, um die Verbreitung von Krankheiten zu vermindern. Die Erkenntnisse sind über die Tierwelt hinaus von Bedeutung, wie Prof. Keller sagt: „Es ist interessant zu sehen, wie Gemeinschaften ihr soziales Verhalten verändern, wenn sie mit übertragbaren Krankheiten konfrontiert sind. Wir können von den Ameisen viel lernen, weil die Insekten seit mehr als 100 Millionen Jahren soziale Wesen sind. Sie haben daher extrem ausgefeilte Mechanismen entwickelt, um die Ausbreitung von Krankheiten in ihrer Gemeinschaft zu unterbinden.“


Quelle: Interpharma - Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz


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