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IFAT 2018: Schweizer Abfall- und Abwasserwirtschaft steht vor Herausforderungen

(14.05.18) Ein zunehmendes Aufkommen von Siedlungsabfällen und Mikroverunreinigungen von Gewässern stellen die Abfall- sowie Wasser- und Abwasserwirtschaft in der Schweiz vor Herausforderungen.


IFAT

 

Schweiz ergreift Massnahmen zum Schutz der Gewässer

Die Schweiz ist das erste Land in Europa, das sich dem Problem einer Belastung der Gewässer mit sogenannten Mikroverunreinigungen gestellt hat: Ein entsprechendes Gesetz wurde bereits am 1. Januar 2016 verabschiedet. Vorgesehen ist, bis zum Jahr 2040 100 der rund 700 Abwasserreinigungsanlagen (ARAs) mit einer vierten Reinigungsstufe auszurüsten und so 62 Prozent der Abwässer zu erfassen. Der Investitionsbedarf von 1,2 Mrd. CHF wird über eine landesweite Abwasserabgabe finanziert.

Aus Sicht von Stefan Hasler Héritier, Direktor des Verbandes Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA), wird sich diese Massnahme in Zukunft positiv auf den Gewässerzustand auswirken: «Viele chemische Produkte werden in den <konventionellen> ARAs nicht oder nur unvollständig abgebaut. Rückstände von organischen Chemikalien können aber Wasserlebewesen und Trinkwasserressourcen nachteilig beeinflussen. Jüngere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass sich der ARA-Ausbau innerhalb kürzester Zeit vorteilhaft auf das betroffene Fliessgewässer auswirkt. Ob der Ausbau der erwähnten 100 ARAs ausreicht oder ob weitere Massnahmen erforderlich sind, werden wir erst in vielen Jahren erfahren», sagt der Experte. Weiterhin sei es erforderlich, auch die Mikroverunreinigungen aus der Landwirtschaft, insbesondere den Pestizideintrag in die Gewässer, zu reduzieren. Als zukünftige Herausforderungen nennt er zudem die Revitalisierung der Fliessgewässer und Seeufer sowie die Reduktion der Gewässerbelastung mit Mikroplastik und Nanopartikeln.

Siedlungsabfälle nehmen zu

Einer Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos von 2017 zufolge ist das Aufkommen an Siedlungsabfällen in der Schweiz zwischen 2005 und 2015 nahezu stetig gestiegen. Der einwohnerspezifische Wert liege deutlich über dem EU-Durchschnitt. Die Siedlungsabfälle in der Schweiz haben, nach Angaben des Schweizer Bundesamtes für Statistik, sogar stärker zugenommen als die Wohnbevölkerung. 2016 fielen 720 Kilogramm pro Person an. Das sind 112 Kilogramm mehr als im Jahr 1990. Allerdings sei die Recyclingrate seitdem auch erheblich angestiegen: Von den 6,1 Millionen Tonnen Siedlungsabfällen, die 2016 insgesamt entstanden seien, wurden 52 Prozent separat gesammelt und dem Recycling zugeführt. 1990 habe dieser Anteil noch 29 Prozent betragen.

Ohne rechtliche und abfallwirtschaftliche Massnahmen wird, so wiederum die Prognos-Studie, das Siedlungsabfallaufkommen in der Schweiz weiter steigen. Dann liesse sich in 2050 ein Wert von 798 Kilogramm pro Einwohner ansetzen. Insgesamt wäre gemäss dem Referenzszenario mit einem Aufkommen von 8,21 Mio. Tonnen zu rechnen.

Als mögliche Gegenmassnahmen schlagen die Verfasser der Prognos-Studie unter anderem vor: eine Intensivierung der Separaterfassung und Vermeidung von Lebensmittelabfällen, eine Reduzierung der Verpackungen (Mehrweg), eine thermische Behandlung von Sortierresten und eine Kreislaufführung von Ressourcen. Zudem könne die zunehmende Digitalisierung zu einer Verminderung von Abfällen beitragen. Sollten alle diese Massnahmen greifen, so könne die prognostizierte Gesamtmenge an Siedlungsabfällen im Status-Quo-Szenario von 8,21 Mio. Tonnen auf 5,84 Mio. Tonnen schrumpfen.


Schweizer Firmen zeigen ihre Produkte auf der IFAT

«Abfallwirtschaft und Recycling» sowie «Anlagenbau zur Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung» und «Wasser- und Abwassernetze» sind auch Themen, die auf der Weltleitmesse für Umwelttechnologien IFAT in München diskutiert werden. Vom 14. bis 18. Mai 2018 haben Unternehmen aus der Schweiz Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen einem internationalen Publikum zu präsentieren. Einige von ihnen waren bereits in den Vorjahren auf der Messe vertreten. So sind auch in diesem Jahr wieder die Unternehmen Aebi Schmidt Holding AG (führender Anbieter u. a. in den Bereichen: Winterdienst, Kehrmaschinen, Kommunaltechnik) und Bucher Municipal AG (weltweit führender Anbieter von Kommunalfahrzeugen) ebenso präsent wie die Villiger Entsorgungssysteme AG (Abfallsammlung und -beförderung). Ausserdem mit dabei sind die Firmen Pentair International Sàrl (Pumpen und Hebeanlagen) und Mecana Umwelttechnik (Mechanisch-physikalische Verfahren im Bereich Anlagenbau zur Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung).

Schweizer Gemeinschaftsstände, die von der Swissenviro GmbH (Dienstleister im Bereich industrielle Umwelttechnologie) organisiert werden, sind auch für 2018 in München geplant. Die Gemeinschaftsbeteiligung aus der Schweiz hat bereits eine internationale Tradition auf den IFAT-Messen: Er wird auf den diesjährigen Messen IE expo China (3. bis 5. Mai 2018 in Shanghai) und der IFAT India (15. bis 17. Oktober 2018 in Mumbai) präsent sein. Im vergangenen Jahr gab es ihn auf der IFAT Africa (Johannesburg) sowie auf der IFAT Eurasia (Istanbul).

Bei der Anzahl der Besucher aus der Schweiz ist seit 2012 eine stetige Zunahme zu verzeichnen. 2016 hatte das Land mit 3979 Besuchern Platz 3 nach Österreich und Italien inne – bei insgesamt 136 885 Besuchern aus 168 Ländern. In diesem Jahr werden über 70 Aussteller aus der Schweiz bei einer Gesamtzahl von über 3100 Ausstellern in München erwartet.


Die IFAT findet vom 14. bis 18. Mai 2018 auf dem Messegelände in München statt.

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