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Offizielles Organ des Schweizerischen Chemie- und Pharmaberufe Verbandes

Talente und neue Ideen für die zukünftige Ernährung fördern

(08.02.2019) Die ETH Zürich und die EPFL lancieren zusammen mit ihren langjährigen Schweizer Industriepartnern Bühler, Givaudan und Nestlé die «Future Food Initiative».


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Das Feld im Blick: Mit der Feldphänotypisierungsanlage der ETH Zürich in Lindau-Eschikon lassen sich Nutzpflanzen untersuchen. Bild: ETH Zürich / Daniel Winkler



Die Initiative fördert innovative Forschungsansätze für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion. Eine Donation der Industriepartner im Wert von 4,1 Mio. Franken ermöglicht die Unterstützung von Talenten. Das Ziel von «Future Food – A Swiss Research Initiative» (kurz: «Future Food Initiative») ist es, die Forschung in den Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften der Schweiz zu stärken und den Wissenstransfer von den Hochschulen zu den Unternehmen zu intensivieren. Dreh- und Angelpunkt der Initiative ist ein neues Förderprogramm an der ETH Zürich und an der EPFL für sogenannte Fellowships, das Talente aus dem In- und Ausland für die Forschung und Innovation in der Schweiz gewinnen möchte.


Thematisch widmet sich die «Future Food Initiative» den grossen Herausforderungen einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung. Im Vordergrund stehen die Entwicklung hochwertiger, gesunder und erschwinglicher Lebensmittel, die zum Beispiel Verbrauchertrends aufnehmen oder zur Behebung von Mangelernährung und Hungersnöten beitragen. Erforscht werden auch neue Lösungen für Verpackungen, welche Kunststoffe ersetzen sollen.


«Die Schweiz ist im weltweiten Vergleich der Lebensmittelwissenschaften exzellent aufgestellt», sagt Alexander Mathys, einer der ETH-Professoren, die sich an der Initiative beteiligen, «sie hat neben der ETH und der EPFL eine sehr starke, forschungsorientierte Industrie sowie eine innovative Start-up Szene. Dies ist ein einzigartiges Umfeld.»


«Ich bin absolut begeistert, dass wir diese Initiative lancieren können. Durch sie erreichen wir in wichtigen und zugleich vielseitigen Forschungsbereichen eine enge Zusammenarbeit zwischen den Professuren unserer beiden Schwesterinstitutionen und erstklassigen Partnerunternehmen», ergänzt Andreas Mortensen, Vizepräsident für Forschung der EPFL.


Durch die enge Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen können Erkenntnisse und Ansätze aus der Forschung rascher in die Gesellschaft und zu den Konsumenten gelangen: «Durch den Austausch mit der Industrie können wir frühzeitig neue Forschungsrichtungen mit verbraucherrelevanten Aspekten verbinden und zügig umsetzten», sagt Mathys, Professor für Nachhaltige Lebensmittelverarbeitung.


Exzellente Forschung und industrielle Relevanz
«Die Future Food Initiative ist ein Programm, das die ETH Zürich und die EPFL vereint mit der Industrie ins Leben gerufen haben, um unsere Expertisen in Forschung und Innovation zu bündeln und innovative Ansätze für gesunde Lebensmittel und eine nachhaltige Versorgung zu ermöglichen», sagt Detlef Günther, ETH-Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen.


«Durch die vielfältigen technischen Möglichkeiten und den Bedarf nach einer erhöhten Nachhaltigkeit, den wir heute beobachten, wird die Lebensmittelindustrie wie jede andere Industrie herausgefordert und vorangetrieben», ergänzt Marc Gruber, Vizepräsident für Innovation der EPFL. «Mit dieser visionären Initiative bringen wir die Expertise der Spitzenforschung mit der Expertise von weltweit führenden Unternehmen zusammen», fügt Marc Gruber, EPFL-Vizepräsident für Innovation hinzu.


Eine wichtige Rolle in diesem Wissenstransfer spielen junge Forschende, die sich als hochqualifizierte Fachkräfte für die Grundlagenforschung, Industrie oder als Unternehmensgründer qualifizieren wollen. Entsprechend richtet sich das Fellow-Förderprogramm der Future Food Initiative an Forschende, die ihr Doktorat bereits abgeschlossen haben, aber noch keinen Ruf auf eine Professur erhalten haben. Die Fellowships richten sich vor allen an internationale Talente, die neue Ideen in die Schweiz bringen und wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Relevanz verbinden können.


«Diese Initiative bietet mehreren jungen, talentierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine einmalige Chance, dass sie sich beruflich und intellektuell weiterentwickeln», sagt Mortensen.


Talente, deren Projekt ausgewählt wird, erhalten eine finanzielle Unterstützung für einen Zeitraum von drei Jahren. Diese umfasst ihre Anstellung an einer Professur der ETH Zürich oder der EPFL sowie Mittel für Verbrauchsmaterial und Reisen. Pro Stipendiat sind rund 390'000 Franken vorgesehen. Die Freiheit von Lehre, Forschung und Publikation der wissenschaftlichen Ergebnisse ist per Vereinbarung gewährleistet. Die Fellows dürfen die Infrastruktur der ETH Zürich, der EPFL und der Industriepartner frei nutzen.


Alternativen zu tierischen Proteinen in der Milch
Das Ziel des Talentprogramms ist es, in der ersten Ausschreibung bis zu 10 Talente zu fördern und bis in fünf Jahren, wenn möglich, rund 50. Die Future-Food-Fellowships werden durch eine Donation der Industriepartner in der Höhe von total 4,1 Millionen Schweizer Franken für diese Ausschreibungsrunde finanziert.


Die erste Ausschreibung der Fellowships hat in diesen Tagen begonnen. Sie dauert bis zum 30. April 2019. Thematisch fokussiert sie auf die Untersuchung alter Pflanzensorten für schmackhafte, nahrhafte Lebensmittel sowie auf die Erforschung von Alternativen zu tierischen Proteinen in der Milch. «Pflanzlich basierte, proteinreiche Rohstoffe haben ein enormes Potenzial für neue Lebensmittel, die zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen und mit denen sich sowohl der Konsum tierischer Nahrungskomponenten als auch die Umweltauswirkungen senken lassen», sagt Mathys.


Bewerbungen werden von einem Evaluationsausschuss bewertet, dem Vertreter der Hochschulen und Industriepartner angehören. Die endgültige Entscheidung, wer gefördert wird, treffen der Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen der ETH Zürich und der Vizepräsident für Forschung der EPFL. Das operative Management der Initiative liegt beim World Food System Center der ETH Zürich und dem Food Science and Nutrition Center der EPFL.


Quelle: ETH-News/Florian Meyer


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